Informationen zum Führerschein auf Probe!

1.1 Seit wann gibt es die Fahrerlaubnis auf Probe?

In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Fahrerlaubnis auf Probe zum 1. November 1986 eingeführt. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde sie am 3. Oktober auch in den neuen Bundesländern, d.h. im Gebiet der ehemaligen DDR, eingeführt.

Seit dem 1. Januar 1999 gelten aufgrund der Neuregelung vieler straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften (Einführung der EU-Fahrerlaubnisklassen) auch für die Fahrerlaubnis auf Probe neue Bestimmungen.

1.2 Warum wurde die Fahrerlaubnis auf Probe eingeführt?

Die Fahrerlaubnis auf Probe wurde eingeführt, um dem hohen Unfallrisiko von Fahranfängern entgegenzuwirken. Vor allem junge Fahranfänger – und das ist die große Mehrheit der Führerscheinneulinge – verunglücken wesentlich häufiger als es ihrem Anteil an den Kraftfahrern insgesamt entspricht. Nach den Erkenntnissen der Unfallforschung spielen dabei

die noch unzureichende Gefahrenwahrnehmung

Schwierigkeiten mit der Fahrzeugbeherrschung

problematische Einstellungen und Fahrmotive eine wichtige Rolle.

Die sorgfältige Beachtung der Verkehrsvorschriften kann den Fahranfängern helfen, gefährliche Situationen zu vermeiden, in die sie sonst durch die Fehleinschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten geraten könnten. Neben den für alle Kraftfahrer geltenden Sanktionen sind deshalb bei schwerwiegenden Regelmissachtungen während der Probezeit besondere Maßnahmen vorgesehen. Dadurch soll ein zu sorgloser Umgang mit den in der Fahrausbildung kennen gelernten Regeln verhindert werden. Diejenigen, die dennoch auffällig werden, erhalten in einem Aufbauseminar                           Hilfen, um anschließend möglichst delikt -                               und unfallfrei zu bleiben. Durch die                               gleichzeitige Verlängerung der Probezeit                              wird beobachtet, inwieweit ihnen dies                         tatsächlich gelingt.

1.3 Wo findet man die rechtlichen                             Grundlagen?

Die Rechtsvorschriften, durch die die                                 Fahrerlaubnis auf Probe beschrieben wird,                                  findet man im Straßenverkehrsgesetz (StVG)                              in den §§ 2a, 2b und 2c in der                                Fahrerlaubnisverordnung (FEV) in den                                         §§ 32 bis 39 und der Anlage 12im                               Fahrlehrergesetz (FahrlG) in den §§ 31, 33                                  und 33a in der Durchführungsverordnung zum                 Fahrlehrergesetz (DV-FahrlG) in den                                            §§ 13 bis 15.



1.4 Wann wird eine Fahrerlaubnis auf Probe erteilt?


Bei erstmaligem Erwerb einer Fahrerlaubnis wird diese auf Probe erteilt. Lediglich die Fahrerlaubnisklassen M (Kleinkrafträder), L und T (land- und forstwirtschaftliche Zug- und Arbeitsmaschinen) werden nicht auf Probe erteilt. Für Inhaber dieser Fahrerlaubnisse beginnt die Probezeit erst bei einer Erweiterung auf eine der Klassen A, A1 oder B.



1.5 Wie lange dauert die Probezeit?


Die Probezeit dauert 2 Jahre vom Zeitpunkt der Erteilung der Fahrerlaubnis, d.h. von der Aushändigung des Führerscheins an. Bei einem schwerwiegenden Regelverstoß verlängert sich die Dauer auf 4 Jahre.


Eine Erweiterung der Fahrerlaubnis auf zusätzliche Klassen ist für den Ablauf der Probezeit ohne Bedeutung.



1.6 Wodurch wird die Probezeit unterbrochen oder vorzeitig beendet?


Die Probezeit endet vorzeitig, wenn


die Fahrerlaubnis vor Ablauf der Probezeit entzogen wird

der Inhaber auf die Fahrerlaubnis verzichtet.


Mit der Erteilung einer neuen Fahrerlaubnis, wird die vorzeitig beendete Probezeit anschließend fortgesetzt. Die neue Probezeit dauert dann nur noch so lange, bis der Inhaber insgesamt 2 (oder 4) Jahre Probezeit hatte.


Während eines Fahrverbotes läuft die Probezeit weiter. Dagegen wird sie unterbrochen, wenn der Führerschein beschlagnahmt, sichergestellt, verwahrt oder vorläufig entzogen wird.



1.7 Welche Regelungen gelten für ausländische Fahrerlaubnisinhaber?


Inhaber einer Fahrerlaubnis aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum:


Verlegt der Fahrerlaubnisinhaber seinen ordentlichen Wohnsitz nach Deutschland, so muss er seine Fahrerlaubnis innerhalb von 185 Tagen registrieren lassen, wenn er die Fahrerlaubnis noch nicht länger als 2 Jahre besitzt. Für den Fahrer wird dann eine Probezeit registriert, die allerdings nur noch solange dauert, bis seit Erteilung der ausländischen Fahrerlaubnis 2 (bzw. bei Auffälligkeit 4) Jahre vergangen sind.


Fahrerlaubnisinhaber aus anderen Staaten:


Sie müssen spätestens 185 Tage nach der Verlegung ihres ordentlichen Wohnsitzes nach Deutschland eine deutsche Fahrerlaubnis beantragen. Wird diese erteilt, so beginnt ebenfalls eine (Rest-) Probezeit, wenn seit der Erteilung der ausländischen Fahrerlaubnis noch keine 2 Jahre vergangen sind. Ist der Betreffende eine Zeit lang unberechtigt in Deutschland gefahren, so wird diese Zeit nicht als Probezeit angerechnet.



1.8 Wann verlängert sich die Probezeit auf 4 Jahre?


Begeht der Inhaber einer Fahrerlaubnis auf Probe


einen schwerwiegenden oder

zwei weniger schwerwiegende,


mit mindestens 40,- Euro (Regelsatz laut Bußgeldkatalog) zu ahndende Regelverstöße, so wird gleichzeitig mit der Anordnung zur Teilnahme an einem Aufbauseminar die Probezeit auf 4 Jahre verlängert.



1.9 Wie wird die Probezeit registriert?


Die Probezeit wird im Verkehrszentralregister beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg registriert. Dort wird bei der Eintragung von Verkehrsverstößen festgestellt, ob der jeweilige Kraftfahrer Inhaber einer Fahrerlaubnis auf Probe ist und entsprechende Maßnahmen – durch Mitteilung an die zuständige Fahrerlaubnisbehörde - veranlasst werden müssen.



2. Was geschieht bei Verkehrsverstößen während der Probezeit?


2.1 Welche Verkehrsverstöße führen während der Probezeit zu besonderen Maßnahmen?


Verstöße können nur dann zu den besonderen für die Probezeit vorgesehenen Maßnahmen führen, wenn sie so schwerwiegend sind, dass sie im Verkehrszentralregister beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg eingetragen werden.


Dies ist der Fall


bei allen Verkehrs-Straftaten

bei Ordnungswidrigkeiten nur dann, wenn das Bußgeld laut Bußgeld-Katalog (Regelsatz) mindestens 40,- Euro beträgt.


Ordnungswidrigkeiten, die mit einem Regelsatz von weniger als 40,- Euro geahndet und deshalb nicht in Flensburg registriert werden, sind für die Probezeit also ohne Bedeutung.


Daher führen z.B.


das Überschreiten der Parkzeit an einer Parkuhr

eine Geschwindigkeitsüberschreitung mit dem Pkw von nicht mehr als 20 km/h

eine Vorfahrtmissachtung, bei der niemand gefährdet wurde


nicht zu Probezeit-Maßnahmen.


Bei den Verkehrsverstößen, die für die Probezeit von Bedeutung sind, werden


"schwerwiegende" Verstöße (Katalog A) und

"weniger schwerwiegende" Verstöße (Katalog B)


unterschieden.


Bei den "schwerwiegenden" Katalog-A-Verstößen kommt es schon nach dem ersten Verstoß zu Maßnahmen. Liegt dagegen zunächst nur ein "weniger schwerwiegendes" B-Delikt vor, so führt erst die nächste Auffälligkeit (nach A oder nach B) zu einer Maßnahme.


Kommt es aufgrund eines Verkehrsverstoßes zu einer fahrlässigen Körperverletzung oder zu fahrlässiger Tötung, so ist für die Zuordnung zu Katalog A oder Katalog B die Art des zugrundeliegenden Verstoßes und nicht die tragische Folge ausschlaggebend.



2.2 Was sind "schwerwiegende Verkehrsverstöße" (Katalog A)?


Zu den schwerwiegenden Zuwiderhandlungen in Katalog A, von denen bereits ein Verstoß zu Maßnahmen führt, zählen z.B. Verkehrsstraftaten wie


unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

Nötigung (z.B. durch dichtes Auffahren auf der Autobahn mit Betätigen der Lichthupe)

gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr (z.B. durch illegale Autorennen)

Trunkenheit im Verkehr.


Auch die meisten Ordnungswidrigkeiten sind A-Delikte, z.B.


Geschwindigkeitsübertretungen von mehr als 20 km/h mit dem Pkw oder um mehr als 15 km/h mit einem Lkw

Gefährdung anderer durch Vorfahrtmissachtung oder Fehler beim Abbiegen

Missachtung des Rotlicht an einer Ampel

Überholen im Überholverbot,

zu geringer Sicherheitsabstand bei mehr als 80 km/h (weniger als halber Tachowert).



2.3 Was sind "weniger schwerwiegende Verkehrsverstöße" (Katalog B)?


Zu den Verkehrsverstößen, zu denen erst noch ein weiteres Delikt hinzukommen muss, damit Probezeit-Maßnahmen angeordnet werden, zählen z.B.


ungesicherte Ladung

Mitnahme von Kinder ohne die vorgeschriebene Rückhalteeinrichtung (Kindersitz)

Gefährdung durch ein nicht vorschriftsmäßig abgesichertes liegengebliebenes Fahrzeug

Fahren mit abgefahrenen Reifen.


Auch wenn diese Delikte als "weniger schwerwiegend" eingestuft worden sind, sind sie natürlich nicht ungefährlich, sondern können im Einzelfall zu tragischen Folgen führen.



2.4 Mit welchem Fahrzeug kann man auffällig werden?


Die Probezeit erstreckt sich auf alle Arten der Verkehrsteilnahme. Daher werden auch bei Verstößen mit einem Mofa oder Moped, die in das Verkehrszentralregister eingetragen werden, die für die Probezeit vorgesehenen Maßnahmen angeordnet.



2.5 Was geschieht, wenn ein Fahranfänger während der Probezeit auffällig wird?


Bei Auffälligkeit während der Probezeit - jeweils ein Verstoß nach Katalog A oder zwei Verstöße nach Katalog B - sind insgesamt drei Maßnahmestufen vorgesehen.



Nach der ersten Auffälligkeit (1x A oder 2x B) wird die Teilnahme an einem Aufbauseminar angeordnet. Außerdem wird die Probezeit auf 4 Jahre verlängert.

Erfolgt nach der Teilnahme am Aufbauseminar eine weitere Auffälligkeit (1x A oder 2x B), so wird eine Verwarnung ausgesprochen und die freiwillige Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung empfohlen.

Verstöße, die noch vor dem Ende des Aufbauseminars begangen werden, führen noch nicht zu dieser Maßnahme. Denn zunächst soll abgewartet werden, ob sich durch die Teilnahme am Aufbauseminar das Verkehrsverhalten verbessert.

Kommt es nach Ablauf von 2 Monaten nach der Verwarnung zu einer weiteren Auffälligkeit (1x A oder 2x B), so wird die Fahrerlaubnis entzogen.



2.6 Welche weiteren Maßnahmen sind während der Probezeit möglich?


Wie bei jedem Kraftfahrer kann auch ein Fahranfänger während der Probezeit Verkehrsverstöße begehen, die seine Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges fraglich erscheinen lassen. In einem solchen Fall kann die Fahrerlaubnisbehörde die Beibringung eines medizinisch-psychologischen Gutachtens anordnen. Hält die Behörde aufgrund des Gutachtens die Nichteignung für erwiesen, so entzieht sie die Fahrerlaubnis.


Auch eine sofortige Entziehung der Fahrerlaubnis durch die Verwaltungsbehörde, z.B. bei Trunkenheit im Verkehr ist möglich.


Für die Erteilung einer neuen Fahrerlaubnis ist es in jedem Fall erforderlich, dass zuvor bereits an einem Aufbauseminar teilgenommen wurde.